Eine Hausarbeit schreiben: Tipps für eure Hausarbeit

Es ist ohnehin schwer den ganzen Uni Alltag, privates Vergnügen und sogar Jobs unter einen Hut zu bekommen. Dann sind zum Ende des Semesters, oder bei wenigen die ganz großes Pech haben, sogar zum Trimester, Klausuren, auf die man sich vorbereiten muss. Und ehe man sich versieht, möchte der Seminarleiter von einem auch ein Referat und Hausarbeit begleitend zur Vorlesung haben.

 

Was Referate angeht, da brauch ich nicht groß was zu sagen: 30-60 Minuten vorne am Rednerpult stehen, abwechselnd auf Folien und Karteikarten schauen, die Semi-Aufmerksamkeit der Kommilitonen „genießen“. Doch Hausarbeiten sind da schon etwas verschiedener: Im Referat kann man sich aus Sachen rausreden; aus Hausarbeiten nicht. Was steht, das steht. Und genau das wird benotet.

 

 

Wie also wird man über Nacht zum Profi aller Essays? Kurz: Gar nicht. Denn wenn selbst renommierte Doktoranten Jahre später aufgrund Plagiat ihrem Doktortitel abhandenkommen, dann darf man sich als Student im 3. Bachelor Semester erst recht Fehler erlauben. Perfektion ist nur eine Illusion, ganz philosophisch gesagt. Aber solange man nicht aufgrund von Copy & Paste zwangsexmatrikuliert wird, ist alles super.

 



Worüber schreibe ich die Hausarbeit?

 

Im Großen und Ganzen ist es ziemlich egal worum sich die Hausarbeit handelt, solange es in das Kriterium der Dozenten passt (dazu gehören vorgeschlagene Themenbereiche, etc.), und ganz wichtig, es könnte Nervenrettend sein: Es sollte recherchierbar sein. Denn, ein extravagantes, kaum beforschtes Thema ist schön und gut, aber spart euch das lieber für die großen Arbeiten auf; Bachelor-, Master-, gar Doktorarbeiten. Denn sobald ihr 20 Seiten über ein Thema schreiben sollt, reichen die allemal nicht, um eine ganze Forschung zu betreiben. Und eure Nerven werden es euch danken, dass ihr stattdessen lieber ein Thema genommen hat, was mehr als nur zwei Buchquellen und eine Zeitschrift aus 1820 zu bieten hat.

 

Lasst euch das Thema vom Professor/Dozenten/Tutor, eben dem, der dafür verantwortlich ist, absegnen, mit dem feinen Hint, dass ihr „noch etwas verändern könnt, falls es anders kommen könnte“ und legt dann los.

 

Wie fange ich an?

 

Entweder gibt es dafür keinen Königsweg, oder aber es gibt ihn, und die die es wissen, verheimlichen ihn. Denn das anfangen ist genauso, wie man es eben nennt: Anfangen. Was mir besonders hilft, ist die 5 Sekunden Regel von Mel Robbins* (Link). Sie besagt ganz simpel, man soll sich selbst sagen, dass man jetzt anfängt das zu tun, was man tun möchte, und das nur für 5 Minuten. Nur 5 Minuten, wenn man keine Lust mehr danach hat, hört man einfach auf. Man zählt von 5 runter bis auf 1 und fängt dann an. Das Besondere daran: Eben weil Menschen nur Probleme damit haben, überhaupt anzufangen, und nicht mit dem ausführen der Sache selbst, werden sie nach 5 Minuten weiter machen wollen. Weil man gerade in dem Flow drin ist, wird man nicht aufhören wollen. Und voila, schon sitzt ihr an der Hausarbeit.

 

Vorbereitung auf die Hausarbeit

 

Jede Sache sollte geplant sein: Denn ohne Weg, kann man weder das Ziel finden, noch sich verlaufen. Man ist dann einfach schwerelos und ohne Plan, was dazu führen kann, dass man noch viel weniger Lust hat, etwas zu machen, als ohnehin schon. Hier sind einige Tipps, die mir persönlich helfen:

 

Farbkoordination

 

Vor Allem im Fach der Sozialwissenschaft sind die Hausarbeiten sehr textlastig. Heißt, wir lesen viel, recherchieren viel, verzweifeln viel, und schreiben dann schließlich nur ein Bruchteil der Dinge auf die wir uns an Wissen angeeignet haben. Komischerweise ist der Bruchteil des Wissens aber fast die komplette Hausarbeit. SoWi ist trotzdem ein tolles Fach, echt. Aber um den Überblick über all das zu behalten brauche ich eins: Farben. Am besten in Form von klebenden Zetteln. Vielen Dank an die Person, die Sticky Notes erfunden hat, du hast uns allen das Leben gerettet.

 

Überlege dir auf aufgrund deiner Leitfrage, welche Themen zur Beantwortung wichtig sind oder sein könnten. Nimm dir dann einen weißen Zettel auf dem du jeder Farbe ein Thema gibst, und markiere dann mit den Sticky Notes in der jeweiligen Farbe die Seiten in dem Buch, wo das Thema auftaucht. Nachdem das Buch durch ist, kannst du dann getrost mit nur einem Blick erkennen, wo welches Thema zu finden ist.

 

 

Informationstabelle

 

Dieser Schritt folgt direkt zum Anschluss an die Farbkoordination durch all die Bücher, Zeitschriften, Internetseiten und PDFs die ich gelesen habe. Ihr erstellt eine Tabelle mit drei Spalten, für:

 

-       Autor/Titel der Quelle

 

-       Seitenzahlen

 

-       Zitate

 

Und schreibt alle Zitate aus dem Buch genauso raus, wie sie im Buch stehen. Der Grund dafür kommt später.

 

An den Sticky Notes seht ihr nun, welche Themen, welche Farbe hatten. Markiert die Seitenzahlen der jeweiligen Textstellen mit der Farbe die zum Unterthema gehört. So habt ihr eine wunderbare Vorbereitung auf den nächsten Schritt.

 

 

Mindmaps / Brain-Dumps

 

Jetzt wird nämlich sortiert.

 

Suche dir ein Oberbegriff für einige der Themen die du gerade markiert hast. Beispiel: Du hast die Unterthemen Arme, und Beine, dann ist dein Oberthema ‚Gliedmaßen‘. Deine Unterthemen sind Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Sehen, dann ist dein Oberthema ‚Sinne‘. Natürlich ist es bei wissenschaftlich etwas detaillierteren Themen natürlich eine andere Schwierigkeitsstufe, doch versteht man worauf ich hinaus will.

 

Dieses Oberthema kommt in die Mitte, und von dort aus gehen dann ‚Äste‘ zu den jeweiligen Unterthemen. An der Infotabelle, in der ihr auch die Seitenzahlen in den jeweiligen Farben der Unterthemen markiert habt, seht ihr, wo ihr welche Info hinschreiben müsst. Benutzt eine einheitliche Farbe, wie bspw. schwarz, um alle Infos aufzuschreiben. Und weitere Farben für zum Beispiel Verbindungen zwischen den Unterthemen, oder auch besonders wichtige Punkte.

 

Die Hausarbeit schreiben

 

Zunächst solltet ihr das Deckblatt und das Inhaltsverzeichnis anlegen. Es muss noch nichts im Inhaltsverzeichnis stehen, aber ihr solltet zumindest die Seite auf die es kommen soll, vorbereiten. Dazu gibt es bei MS Word* eine Funktion für automatisches Anlegen eines Inhaltsverzeichnis. Danach solltet ihr das Literaturverzeichnis anlegen, in das ihr in der korrekten Form (variiert oft von Studiengang zu Studiengang) all eure Literatur auflistet, natürlich in Alphabetischer Reihenfolge. Ich weiß, wie nervig es sein kann, die Hausarbeit komplett geschrieben zu haben und sich dann noch mit Formalitäten rumzuschlagen. Wenn man es also von Anfang an fertig hat, kann man sich getrost voll und ganz der Hausarbeit selbst widmen.

 

Oft schreibe ich nicht direkt in dem Dokument der Hausarbeit, sondern in einem anderen Dokument. Da kann ich nämlich Sachen verrücken, die Themen in eine andere Reihenfolge stellen, etc. Das spart mir in der Hausarbeit einfach Zeit, und man wird nicht von den übrigen, Hausarbeitsirrelevanten Dingen abgelenkt.

 

Ein wirklich nützlicher Tipp ist es: Schreibt einfach darauf los. Kümmert euch erstmal nicht um die Belege. Wisst einfach nur, dass ihr Belege für eines eurer angeführten Argumente habt, und schreibt den Namen des Autors/Verfassers/etc. in Klammern dahinter, oder lasst es direkt. Das Problem ist oft, dass man sehr aus dem Schreibfluss gerissen wird, wenn man nicht durchgehend schreibt, sondern nach jedem zweiten Satz kurz aufhören muss, um nachzuschauen, was denn der Beleg ist. Mit der Methode des fließenden Schreibens könnt ihr sicher sein, alles viel besser unter Kontrolle zu haben und die Hausarbeit schneller fertig zu bekommen, als ihr dachtet.

 

Jetzt kommen wir auf die Infotabellen zurück. Denn der Grund, wieso es so wichtig ist, dass ihr die Zitate komplett abschreibt, ist die Suchfunktion von Computern. Mit Ctrl+F bzw. Strg+F könnt ihr in Dokumenten nach Schlagwörtern suchen. Und ebenso nach Wörtern, wie ihr sie in einem Argument genannt habt, aber kein Beleg angebracht habt. Es vereinfacht nicht nur die Suche nach dem richtigen Zitat sondern spart euch auch mehrere Stunden der Suche. Es dauert bei 20 Seiten und Beleg für jeden 2. Satz immer noch eine ganze Menge, aber immerhin hattet ihr keine Unterbrechungen während des Schreibens in der Hausarbeit, was euch demotiviert, und zum Aufhören gebracht hätte. Das wiederum hätte sogar noch viel länger gebraucht.

 

 

 

Letzte Tipps:

 

-       Es werden oft Eigenständigkeitserklärungen oder zumindest eine Unterschrift gefordert. Vergesst sie auf gar keinen Fall, weil sonst all die Arbeit ungeachtet bleibt, und ihr ein ungenügend bekommen könntet.

 

-       Der Anhang, in dem ihr alle Internetseiten als Screenshot/Seiten-PDF einfügt, muss in der digitalen Version auf jeden Fall dabei sein. Fragt euren Dozenten aber gerne noch einmal, ob ihr sie auch alle ausdrucken müsst. Das könnte euch nämlich enorm hohe Druckerkosten sparen, und genauso der Umwelt zugutekommen.

 

-       Solltet ihr Änderungen an eurer Leitfrage oder dem Thema der Hausarbeit vornehmen wollen, kontaktiert in jedem Fall euren Professor, bevor ihr damit anfangt. Ohne Absegnung wird nichts draus, und falls ihr diese nicht bekommt, aber bereits angefangen habt, würde es nur eine Zeitverschwendung sein.

 

-       Manche Leute arbeiten gut auf Zeitdruck, aber es kann immer sein, dass etwas dazwischen kommt und man die Hausarbeit entweder nicht ganz oder ganz schlecht schreibt aufgrund der mangelnden Zeit. Deswegen ein kleiner Trick: Markiert euch eine oder zwei Wochen früher die Deadline als sie eigentlich ist. Bei vielen Terminen wird man es sowieso vergessen, dass man es getan hat, oder nicht mehr sicher sein ob man sich austricksen wollte oder nicht. Um auf Nummer sicher zu gehen, werdet ihr es dann dennoch bis zu dem verfrühten Termin machen.

 

-       Dass ihr nicht weiter kommt, ist vollkommen in Ordnung. Dafür sind Dozenten/Professoren da. Sie können euch eine Hilfestellung bieten, oder euch auf die richtige Fährte locken. Deswegen seid nicht scheu zu fragen (Das geht vor Allem an die Erstis!).

 

 

 

All das ist natürlich keine Garantie für den erfolgreichen Abschluss eines Essays. Aber es ist eine Hilfestellung, die zumindest mir persönlich einige Nerven und Stunden gespart hat. Und die mir in das Chaos an Unwissen einen Funken Hoffnung gegeben hat. Wir alle sind nicht umsonst Studenten: Wir lernen noch. Deswegen seid unbesorgt: Die Sicherheit kommt mit der Zeit. Und irgendwann findet ihr euch dann selbst an der Abschlussarbeit Schreibend vor. Viel Erfolg!

 

 

Autorin:

Hilal Yildiz

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Kommentare: 1
  • #1

    MY (Mittwoch, 13 März 2019 20:49)

    Danke für den ausführlichen Artikel, hätte ich was annährend informelles zu meiner Zeit gehabt, hätte ich meine erste Masterarbeit gleich fertig gemacht anstatt eine andere anfangen zu müssen.