Freunde, oder lieber doch nur Kommilitonen?

Erwartungen die man von der Uni hat: Freunde, Partys, Spaß, Unabhängigkeit, und vieles ähnliches
mehr.


Doch bereits in der ersten Woche des Semesters merkt man eines: Partys sind soweit in Ordnung, bis
man dann merkt, dass man morgens kaum aus dem Bett kommt, weil man so lange auf war und die
Sonne bereits über dem Horizont steht. Und der Spaß endete auch dort, wo die Veranstaltungen (oft
schon in frühen Morgenstunden), anfangen.
Die Unabhängigkeit ist weniger „Un-„ als „-abhängigkeit“, was auf die Module, die Klausuren, und die
Kommilitonen zu schließen ist; Denn wer mit so viel Stoff zum Lernen auf Eigenarbeit setzt, wird noch
vor seinem 40. Lebensjahr an einem Burnout leiden müssen. Natürlich alles nur meine Meinung.
Was denkt man sich deshalb direkt als Ersti? Wenn es schon nicht mit all den anderen Dingen klappt,
dann zumindest Freunde. Weil wo kann man sonst Menschen finden, die dasselbe mögen, als in dem
geliebten Studiengang? Außer natürlich beim Sport, in Vereinen und bei Hobbyveranstaltungen,
eigentlich nirgends. Deswegen macht man sich direkt erstmal auf die Suche nach Personen, denen
man später den Titel des „Freundes“ geben könnte. Und man wird auch recht schnell fündig –
schließlich gibt es nette Menschen ja überall.
Die Wochen vergehen, aus ihnen werden Monate, und ehe man sich an das Konzept „Uni“ gewöhnen
konnte, stehen auch schon die Klausurvorbereitungen an. Denn egal wie sehr man auch erstmal
überfordert ist mit der neuen Situation, die der Schule kaum bis gar nicht ähnelt, irgendwie muss man
ja darauf getestet werden, ob man nun den Stoff von den letzten 5 Monaten drauf hat, oder nicht. Es
ist dann auch schon so weit, dass die ersten Nachrichten auf WhatsApp reinkommen, oder in den
Vorlesung (teilweise vollkommene) Fremde einen ansprechen: „Hast du die Aufzeichnungen für
Vorlesung XY?“ „Kannst du mir vielleicht deine Lernmaterialien geben?“ „Weißt du, wie dieses und
jenes funktioniert, und kannst dir vielleicht 5 Werktage freinehmen um mir besagtes zu erklären,
obwohl ich nicht einmal deinen Namen kenne? Wäre ganz nett, danke.“

Bei Fremden hat man eher weniger Hemmungen, ihnen ins Gesicht zu lachen, und ihnen höflich (in
manch dreisten Fällen auch mit einem spöttischen Unterton) „nein“ zu sagen, doch wenn es Freunde
sind… Da fangen die Probleme dann auch schon an. Die meisten die ich kenne, sind sehr fair und
wollen natürlich nur in den dringendsten Fällen einige Unterlagen, oder bieten aus Herzensgüte sogar
ihre Eigenen von anderen Wochen an. Doch da gibt es auch immer mal wieder die Leute, die sich
gerne die Dreistigkeit nehmen, für jede Veranstaltung die Aufzeichnungen zu erfragen, weil sie selbst
keine Lust hatten, je zur Uni zu kommen, oder ähnliches. Und glaubt mir, in der Uni gibt es so einige
von dieser Sorte. Und es wird sogar dann noch schwerer, wenn es besagte „Freunde“ sind. Und
schon bereut man, dass man diese Menschen innerhalb 10 Sekunden zu Freunden gemacht hat, um
sich dann Monate lang nur in der Uni, 2 Mal in der Woche zu sehen. Und dies hat schließlich darin
resultiert, dass man sich ihnen ipso facto verpflichtet fühlt, die Sachen zu schicken, egal ob man es
will oder nicht. Weil sie ja schließlich „Freunde“ sind.
Ich habe nicht die geringsten Probleme, Menschen meine Unterlagen zu geben. Vor Allem jene
Unterlagen, die mir geholfen haben, meine Klausuren zu bestehen. Ich meine, wieso sollten andere
nicht auch gute Noten haben? Doch sobald ich merke, dass Personen das ausnutzen, oder gar darauf
vertrauen, dass ich wie ein Hündchen angerannt komme, wenn sie nur nach mir rufen, derweil aber
selbst lieber Sachen machen wie, zuhause bleiben und nichts Uni-betreffendes erledigen, habe ich
dann auch keine Lust darauf, mein Wissen zu teilen. Schon gar deshalb, weil es denen gegenüber
unfair ist, die sich in der Uni ins Zeug legen.

Freunde in der Uni zu finden ist eine tolle Sache, bis zu dem Zeitpunkt, wo sie anfangen einen nur
deshalb zu „dulden“, um mit einem Freischein durch die Uni zu kommen. Wohingegen andere sich wie
durch einen Dschungel durchkämpfen. Eben das ist das Problem, wenn es darauf ankommt: „Freunde
oder doch nur Kommilitonen?“. Such dir vertrauenswürdige Kommilitonen, mit denen du zusammen
lernen kannst, und eine symbiotische Beziehung führst, und Freunde, bei denen du weißt, dass sie
deine Gutmütigkeit nicht ausnutzen. Das erspart dir Enttäuschungen, und Nerven, wenn dich schon
der 17. Dauerschwänzer nach den Unterlagen von den letzten 4 Semestern fragt.

Autorin:

Hilal Yildiz

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